3 November 2012
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Jugend zum Alkohol verführen

Was erfreut einen trockenen Alkoholiker am Freitag Abend. Nein, nicht die „heute Show“, die ich bis dato nie verpasst hatte. Die Lieblingsveranstaltung, eines jeden Abstinenzlers, ist natürlich eine Weinköniginnenwahl.

Ob es da wohl auch ne Cola oder einen Apfelsaft gibt. Die Antwort lautete schlicht und ergreifend - NEIN.

So durfte ich mir über vier Stunden sechs Dorfschönheiten, sie allesamt etwas mit dem Getränk der Kirche zu tun hatten, anschauen.

Wie bei einer Misswahl, mussten sie sich die Teilnehmerinnen, den Fragen einer „sehr“ kritischen Moderatorin stellen.

Wo kommst Du her? Was machst Du in Deiner Freizeit und hast Du einen Job. Da man sich nicht einer plumpen Fleischbeschauung wie einer Miss Wahl, also Mädels im Abendkleid und Badeanzug vergleichen möchte, löcherte man die Kandidatinnen lieber mit Fragen rund um das Thema Wein.

Während ich weiss, dass es roten und weissen Wein gibt, glänzten die Mädels mit Wissen über das leichtprozentige Rauschmittel. Den Jugendlichen den Wein nahe bringen, sei ein erstrebenswertes Ziel. Dabei dachte ich immer, Jugend weg vom Alkohol.

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Von diesem schien auch die Moderatorin des öffentlich rechtlichen Radios etwas zu viel verkostet zu haben. Sie interviewte eine Teilnehmerin zu ihrem gebärfreudigen Becken. O, da kam dann langsam mein Lieblingsthema (Niveau) auf den Tisch.

Während meine Zunge trocken im Hals klebte, entdeckte ich, dass eine Kollegin den gleichen Gefallen an der Veranstaltung fand. Ein freundliches Gezwinker und das Eis war gebrochen. Verzweifelt suchten wir nach einer Strategie, die Veranstaltung an uns zu reißen, und die ganze Wahl in „Herzblatt Manier“ weiter zu führen. Rudi Carrell hätte uns sofort verpflichtet. Meine Kollegin hatte es drauf. Sie ist eine perfekte SUSI.

Einem Kollegen von LTV, einem kleinen regionalen Fernsehsender, wollten wir den Mikrofonboppel klauen und durch einen ZDF Bobbel ersetzen. Dann wollten wir, mit der Kamera einen witzigen Beitrag für die „heute Show“ filmen. Doch leider fehlte uns dann doch die richtige Strategie (Mut?).

Also wechselten meine Kollegin und ich kleine Briefchen über den Tisch. Erinnerte mich an meine Schulzeit. Im langweiligen Physikunterricht haben wir so immer die Mädels für die Nachmittage klar machen wollen. Hat meistens auch nicht geklappt.

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Nach über vier Stunden, von denen das Essen noch das beste Erlebnis war, durfte ich dann noch ein Interview machen und dann ging es endlich wieder in die Heimat. Dort wartete Milch und ne Cola auf mich. Und die „heute Show“ wurde wiederholt.

O Andreas, wo bleibt Deine journalistische Pflicht. Okay, etwas Info soll auch noch rüber kommen.

Württembergische Weinkönigin gekrönt

Sechs Kandidatinnen aus dem Württembergischen stellten sich am Freitag Abend der Wahl zur württembergischen

Weinkönigin. 550 Besucher waren gekommen um diesen Event mit Maultaschensuppe, Spätzle und reichlich Wein zu genießen. Gewonnen hat Nina Hirsch. Sie darf sich nun „Württembergische Weinkönigin“ nennen. Ihre Mitstreiterin, Stephanie Knapp ist die neue württembergische Weinprinzessin. Beide ziehen nun durch die Lande und dürfen für den Rebensaft unserer Region die Werbetrommel rühren. Weitere Informationen kommen demnächst auf www.positiv-medien.de . Ich habe keinen Bock mehr. Ich gehe ins Bett. Euer Nili Nil

Ich muss noch was loswerden. Auf dieser phantastischen Veranstaltung lernte ich eine Kollegin kennen. Diese schrieb einen Kommentar aus Ihrer Sicht. Einfach lesen und Tränen wegwischen. Gut gelästert ist halb gewonnen.

Wahl… Weinkönigin… uuuhhhh… Der erste Gedanke: was zieh ich an, um möglichst seriös auszusehen? Jeans und eine Bluse werden es ja wohl tun, dazu die Highheels, in denen ich nicht ganz so wie die Titanic schwanke. Am Ort des Dramas angekommen – erstmal orientieren. Tisch 48, ganz hinten. Man sieht die Bühne von weitem. Nun gut, das was ich den Abend über höre, reicht mir auch. Meine Tischgenossen: wahlweise Weinkenner oder Pressefritzen wie ich, die entweder mit Kamera, Knipsgerät oder – in Zeiten der Moderne – mit einem neumodischen Block alias Laptop ausgestattet sind. Ich lege Block und Kuli vor mich hin und harre der Dinge.

Fröhliches Geplänkel auf der Bühne zwischen der Moderatorin, scheidender Königin und deren nicht minder holden Prinzessin und führenden Weinbauchefs – bis endlich die Schäfchen aufs Schafott – ups, die Kandidatinnen auf die Bühne – geführt werden. Vor den Augen der atemlos glotzenden 550 Zuschauer natürlich. Und was können die nicht alles, die Thronanwärterinnen: Die eine würde für einen gewissen französischen Wein sterben. Sollte sie nicht lieber den guten württembergischen Tropfen anpreisen? Die spätere Weinprinzessin empfiehlt bei der Taufe eines Tisches die Magnumflasche Riesling. Ob das vierbeinige Ungetüm einer schwedischen Eins-Zwei-Drei-Stecksystem-Möbelkette dem wuchtigen Aufprall standhält, wird leider nicht gezeigt. Es hätte die Veranstaltung wohl zu sehr aufgelockert. Spannend ist es, als der Jungadel nach persönlichen Vorlieben befragt wird. Herrlich, wenn eine Dame in den 20er Jahren hoch erhobenen Hauptes verkündet, dass man nach Auslandsreisen älter und weiser wird. Ach, und die Hobbies. Eine steht auf Pilates und wird wohl auch ihr Pferd namens Wendy oder so zum Spagat verpflichten. Die andere macht Südafrikaner durch ihr gebärfreudiges Becken verrückt, um später beim Bodyart der Malerei mit Weinstein zu frönen. Ich suche nach dem Gründer des Playboys im Zuschauerraum, der die junge Dame wahrscheinlich für die Dezemberausgabe verpflichten möchte. Der verpasst hier die Show des Jahres! Leider befindet er sich wahrscheinlich grade in seiner Höhlensauna… Am Besten gefällt uns die Niedliche im kleinen Schwarzen. Wirkt schüchtern und weltfremd, aber hat von klassischer Geige zur E-Geige und Heavy Metal gewechselt. Stille Wasser sind tief! Meine Kollegen und ich beginnen, von Nightwish zu träumen. Die Band auf der Bühne versaut aber auch dies.

Und wer gewinnt letztendlich? Die Kluge mit Witz und Verstand. Begleitet wird sie im kommenden Jahr von ihrer überdrehten Prinzessin. Beim kurzen Videodreh zeigt es sich schon: die adrette Königin winkt huldvoll mit dem Blumenstrauß, die flippige Lillifee prostet mit dem Weinglas. Präsentieren will gelernt sein. Währenddessen fließen bei den Verliererinnen die Tränen. Komme mir vor wie bei einer der beliebten Castingshows. Und ich mittendrin! Was will man mehr? Richtig – noch ein Interview und dann nach Hause. Zu Kaffee und Bier, denn das gab es heute Abend nicht.

Liebe Fenja, tausend Dank für Deinen Kommentar. Vielleicht sehen wir uns mal wieder ! Du bist unheimlich inspirierend. Ich trink jetzt ne Cola.