16 Juli 2011
molly

Elefantenkuh Molly ist tot:

Nach langer Krankheit von ihrem Leiden erlöst

Am Abend des 13. Juli musste die Elefantenkuh Molly eingeschläfert werden: Seit Jahren litt sie an einer schmerzhaften Entzündung der Vorderfüße, die immer schlimmer wurde, diverse tierärztliche Behandlungen brachten keine nachhaltige Besserung mehr. In den letzten vier Wochen hatte Molly stark abgebaut. Nach einer weiteren Untersuchung unter Narkose gestern Abend wurde entschieden, ihr weitere Schmerzen zu ersparen. Jetzt trauert die Wilhelma um den Verlust des zweiten Elefanten innerhalb kurzer Zeit – fast genau vor einem Jahr war die 61-jährige Elefantengreisin Vilja

gestorben. Molly wurde 45 Jahre alt und gehörte mit Pama und Zella ebenfalls schon zu den ältesten Zoo-Elefanten Europas.

„Wir sind sehr unglücklich, dass wir Molly nicht mehr helfen konnten“, so Wilhelma-Direktor Dieter Jauch. „Aber in letzter Zeit ging es ihr zunehmend schlechter, und wer Molly kannte, sah, wie sehr sie litt.“ Seit rund 15 Jahren war die Elefantenkuh wegen ihrer entzündeten Vorderfüße Dauerpatientin der Zootierärzte gewesen – mancher befürchtete sogar, sie könne noch vor Vilja sterben. Dank intensiver tierärztlicher Betreuung, regelmäßiger Fußpflege, Fußbädern und weichen Fußmatten konnte das Fortschreiten der Krankheit zwar aufgehalten, aber nie geheilt werden. Seit Jahresbeginn hatten sich die Fußprobleme verstärkt, in den letzten Wochen hatte Molly deutliche Anzeichen von starken Schmerzen gezeigt und war immer schwächer geworden. Die letzte Untersuchung am Mittwoch Abend, an der mehrere tierärztliche Experten beteiligt waren, ergab, dass keine erfolgversprechende Behandlung mehr möglich war – man hätte Mollys Leid nur verstärkt und verlängert.

Bekannt und beliebt wurde Molly unter anderem durch ihre Mitwirkung bei Kindergeburtstagen, Blindenführungen und dem Elefantenreiten, bei dem sie und ihre „Kollegin“ Zella die Besucher durch den Park trugen. Vor rund drei Jahren, als sich der Zustand ihrer Füße trotz eigens für sie gefertigter, schützender Schuhe verschlechterte, wurde das Elefantenreiten eingestellt – zum großen Bedauern der Besucher. Überhaupt hatte nicht nur Vilja als Altersrekordhalterin und schlitzohrige Seniorin viele Fans. Gerade Molly, die als haarigste unter den Elefantenkühen auch liebevoll „das Mammut“ genannt wurde, war eine der wichtigsten Mitarbeiterinnen in der Öffentlichkeitsarbeit des Dickhäuterreviers. Geduldig ließ sie sich bei den Elefantenbegegnungen streicheln und betasten, und wegen ihrer ruhigen, lieben Art konnte sie bei Führungen für Blinde oder behinderte Kinder eingesetzt werden. Wie alle Elefanten hatte sie natürlich ihren eigenen Charakter und „Dickkopf“. So galt sie etwa als ziemlich „schleckig“: Was sie nicht mochte, fraß sie nicht. Außerdem war sie von allen Elefanten die technisch Begabteste: Immer mal wieder überprüfte sie mit ihrem Rüssel „die Tauglichkeit“ technischer Vorrichtungen – von der Aufhängung der Absperrseile im Elefantenhaus bis hin zu den Bremsen der Rollstuhlfahrer bei den Elefantenbegegnungen. In den letzten Jahren hatte sie als Nachfolgerin der altersbedingt geschwächten Vilja die Rolle der Leitkuh übernommen. Noch bis vor Kurzem sorgte sie in der Damen-Herde für Ordnung. Doch seit ihre Kräfte nachließen, verstärkten sich die Rangeleien um die Vorherrschaft unter den Elefanten wieder.

Als schwergewichtige Zehenspitzengänger haben Elefanten sehr empfindliche Füße, eine intensive Fußpflege ist daher fester Teil des Haltungsprogramms im Zoo. Warum gerade Molly an einer solch schweren Fußentzündung litt, ist unklar, dürfte aber mehrere Ursachen gehabt haben. Beteiligt war vielleicht auch der per Röntgenbild entdeckte Fremdkörper im Fuß, wahrscheinlich eine Bleikugel, die sie schon als junge Elefantenkuh aus Indien mitgebracht haben muss und die sich operativ nicht entfernen ließ. Zumal verletzte Elefantenfüße schlecht heilen: Leider können die schweren Tiere ihre Füße nie so schonen, wie es ein erfolgreicher Heilungsprozess erfordern würde.

Nach Mollys Tod müssen nun zunächst alle wieder zur Ruhe kommen: Pama und Zella ebenso wie ihre trauernden Pfleger. Noch im Herbst soll dann der Umbau der alten Außenanlage inklusive Beseitigung des Grabens starten. Und gemeinsam mit dem Artkoordinator des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) wird überlegt, wie es mit der Elefantengruppe der Wilhelma insgesamt weitergeht. Text und Foto: Wilhelma